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Geschichte
Erfahren Sie auf den folgenden Seiten Näheres darüber, was in der Vergangenheit auf dem heutigen Gebiet des Bezirkes Marzahn geschehen ist und wie sich die derzeitigen Strukturen entwickelten.
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Zwischen Eiszeit und Steinzeit
Die letzte Eiszeit vor 15.000 bis 20.000 Jahren formte die Landschaft, in dieser liegt heute der Stadtbezirk Berlin-Hellersdorf. Noch heute kann man die Spuren dieser Zeit gut erkennen. Von der Bundesstraße 1, die zwischen Kaulsdorf und Mahlsdorf genau auf der Bruchkante der Barnimplatte verläuft, kann man bei gutem Wetter die schöne Aussicht über das Berlin-Warschauer Urstromtal hinüber zu den Müggelbergen genießen. Archäologische Funde zeugen davon, dass vom 8. Jahrtausend v.u.Z. bis etwa 3. Jahrtausend v.u.Z. Jäger, Sammler und Fischer die Gegend bevölkerten.
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Germanen und Slawen
Seit dem 6. Jahrhundert v.u.Z. ist das Gebiet der Barnimplatte und des Urstromtales durchgehend besiedelt. Anfangs waren es früh- und spätgermanische Siedlungen, Funde am Hellersdorfer Kopfberg (heutiges Spree-Center) und in Kaulsdorf machten dies deutlich. Etwa ab dem 6. Jahrhundert waren es zunehmend slawische Siedler, die hier ihre Siedlungen errichteten. Zahlreiche Ausgrabungen im Gebiet der Wuhle in Biesdorf und Kaulsdorf sowie in Mahlsdorf förderten Spuren dieser slawischen Siedlungen zu Tage. Im Zuge der Ostexpansion des Deutschen Reiches wurden die Slawen wieder vertrieben und deutsche Fürsten setzten sich durch. In Folge dieser deutschen Ostsiedlung im 13. Jahrhundert entstanden auf dem Gebiet des Bezirkes fünf Dörfer: Marzahn, Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf.
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Marzahn
Das etwas nördlicher auf der Barnim-Ebene gelegene Marzahn wurde 1300 erstmals urkundlich erwähnt als Morczane, dieser Name ist slawischen Ursprungs. Über Mortzane im Landbuch Kaiser Karls IV. entwickelte sich der heutige Name. Bis zur Herausbildung der Gutsherrschaft Ende des 16. Jahrhunderts waren es meist einzelne Bauern, die in Marzahn lebten. Durch Raubzüge und Brandschatzungen während des Dreißigjährigen Krieges reduzierte sich die Bevölkerung bis 1648 drastisch. Kurfürst Friedrich Wilhelm erwarb Marzahn 1657 und unterstellte es dem kurfürstlichen Amt Köpenick. Im 18. Jahrhundert ließen sich im Dorf Marzahn Kolonistenfamilien aus der Pfalz nieder.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Marzahn durch Truppen Napoleons besetzt und geplündert. Marzahn hatte bis dahin 223 Einwohner, von denen jedoch viele zeitweilig flüchteten. Im Zuge der Steinschen Reformen 1807 und der Separation der Feldmark nach 1815 erlangten die Bauern ihre Eigenständigkeit wieder. Die Kirche, das heutige Wahrzeichen des Dorfes Marzahn, wurde 1870/71 nach Entwürfen von Friedrich August Stüler erbaut. 1872 wurde Marzahn aus der Verfügung des Amtes Mühlenhof entlassen, gehörte nun zum Kreis Niederbarnim und bildete 1874 mit Hohenschönhausen einen Amtsbezirk. Marzahn wurde 1893 an das Trinkwassernetz Berlins angeschlossen. Erst 1920 kamt die Stromversorgung hinzu.
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Biesdorf
Am nördlichen Rand des Urstromtales gelegen fand Biesdorf erstmals urkundliche Erwähnung als Bysterstorff im Landbuch Kaiser Karls IV im Jahr 1375. Auch Biesdorf litt unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges in der ersten Hälfte des 17. Jh. Es wurde, wie auch Marzahn, von Kurfürst Friedrich Wilhelm erworben (1653) und dem kurfürstlichen Amt Köpenick unterstellt. 1806 fand in der Biesdorfer Feldmark eine von Napoleon I. abgenommene Parade der französischen Truppen unter Marschall Davoust statt. Mit den Stein-Hardenbergschen Reformen begann 1822 in Biesdorf die Separation (eine Art Flurbereinigung). Später erfolgte die Befreiung der Bauern von Diensten und Abgaben.
1839 gab es in Biesdorf die größte Brandkatastrophe seiner Geschichte. An der Nordseite des Biesdorfer Dorfangers wurde 1868 nach Entwürfen von Heino Schmieden eine spätklassizistische Turmvilla, das Biesdorfer Schloß, erbaut und ein Park angelegt. 1887 erwarb Werner von Siemens das Anwesen vom Vorgänger Baron von Bültzingslöwen. Der Biesdorfer Park wurde daraufhin 1891 bis 1898 noch erweitert. Im Wuhlgarten begann 1890 der Bau der Städtischen Anstalt für Epileptiker, das heutige Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus. An dieser Stelle steht heute auch das Unfallkrankenhaus Marzahn.
Zur Jahrhundertwende begann eine rege Bautätigkeit in Biesdorf mit der Siedlung Neu-Biesdorf und der Villenkolonie Biesdorf-Süd. Weithin bekannt ist auch die 1907 gebaute Luftschiffhalle auf dem Gelände der Kolonie Biesenhorst. Es war die weltweit erste drehbare Luftschiffhalle auf festem Boden. 1911 findet die Probefahrt des Siemens-Schuckert-Luftschiffes (SSL) statt.
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Hellersdorf
Wahrscheinlich wurde Hellersdorf bereits kurz vor 1200 als Dorf gegründet. Allerdings wurde Hellersdorf erstmals 1375 im Landbuch Kaiser Karl IV. aufgeführt. Die Gebrüder Direcke bewirtschafteten damals einen großen Teil des Dorfes. Meist waren es aber Kleinbauern, die ihre Höfe hier hatten. Diese mussten für die Gebrüder Diricke dann die verschiedenen Formen der Abgaben leisten: Pacht, Zins oder Bede.
Hellersdorf war von allen das kleinste Dorf und hatte keinen guten Ruf. Es galt schon kurze Zeit darauf im 15 Jh. als wüst, d.h. unbewohnt. Deshalb wurde sein einstiger Standort am heutigen Cottbusser Platz erst bei Ausgrabungen Mitte der 80er Jahre dieses Jahrhunderts im Zuge von Erschließungsarbeiten für den heutigen Stadtbezirk wiederentdeckt. Nachdem Hellersdorf Wüstung geworden war, kam seine Feldmark für Jahrzehnte in den Besitz benachbarter Adelsgeschlechter. Bis 1836 blieb Hellersdorf im Besitz der jeweiligen Gutsherren von Blumberg, von denen es landwirtschaftlich genutzt wurde. 1734 wurde auf der Feldmark des ehemaligen Dorfs Hellersdorf auch ein Vorwerk (Zweiggut) von Blumberg errichtet. Die Einwohnerzahl wuchs hier von 11 auf 17. Im Zuge der Reformen von Stein und Hardeberg wurden aus diesem Vorwerk ein eigenständiges Rittergut. Dieses wurde 1836 vom damaligen Landrat Friedrich Ludwig Graf von Arnim erworben, also dem höchsten Beamten des Kreises Niederbarnim, zu dem Hellersdorf gehörte. Bauern siedelten sich allerdings nicht mehr an.
1886 verkaufte der letzte Hellersdorfer Arnim das Gut zum Preis von 885.000 Mark an die Stadt Berlin. Wie auch auf größeren Ländereien des Dorfes Marzahn wurde auf den Feldern nach dem damals ökologisch modernsten Verfahren, der Verrieselung, die Abwässer der wachsenden Metropole Berlin beseitigt. Ab 1888 wurden neue Wirtschafts- und Wohngebäude errichtet. Dazu zählen auch die beiden sogenannten Schnitterkasernen rechts und links der Allee, die von der Straße Alt-Hellersdorf zum Gutshof führt.
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Kaulsdorf
Der Name Kaulsdorf stammte seit 1285 von einem gewissen Nikolaus de Caulestorp ab. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es erst im Jahre 1347. Kaulsdorf entwickelte sich im Mittelalter wie die anderen Dörfer auch. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges war Kaulsdorf einige Jahre lang sogar völlig ohne Bewohner. Zwischen 1734 und 1801 stieg die Einwohnerzahl Kaulsdorfs wieder von 92 auf 215. Das hing mit der Politik der Hohenzollernkönige von Preußen und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung im 18. Jahrhundert zusammen.
In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts begann F. C. Achard in Kaulsdorf mit seinen Versuchen, aus der damals noch Runckelrübe genannten Feldfrucht Zucker zu gewinnen. Dafür hatte er das damalige Freigut Kaulsdorf erworben, heute Standort des Spirituosenherstellers Schilkin GmbH & Co KG Berlin.
Die zwischen 1847 und 1867 errichtete Königliche Ostbahn, einer der frühen preußischen Eisenbahnlinien, führte nördlich an Kaulsdorf vorbei und verband so Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. Um 1900 schnellten die Einwohnerzahlen in die Höhe, in Kaulsdorf auf 2381 und in Mahlsdorf auf 3891. Gleichzeitig entstand nahe des Bahnhofs ein vorstädtisches Ortszentrum mit kombinierten Geschäfts- und Mietshäusern. Auch Handwerksbetriebe und kleinere Fabriken wurden errichtet.
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Mahlsdorf
Wahrscheinlich ist Mahlsdorf kurz vor dem Beginn des 13. Jahrhunderts von deutschen Siedlern, die von Köpenick nach Norden vorstießen, gegründet worden. Erstmals erwähnt wurde der Ort unter dem Namen Malterstorp in einer Urkunde des brandenburgischen Markgrafen Ludwig d. Ä.. In dieser Urkunde von 1345 bestätigte Ritter Thyle Ryteling den Verkauf des Dorfes an den Ritter Otto von Kethelitz. 1375 findet sich Mahlsdorf unter den Namen Malsterstorf, Malterstorp und Malsterstorff im Landbuch der Mark Brandenburg.
Von seinem Siedlungstyp her anders als die Angerdörfer Marzahn und Biesdorf war Mahlsdorf von Anfang an ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Straßendorf. Im Gegensatz zum benachbarten Kaulsdorf, in dem kein Rittergut entstand, existierten in Mahlsdorf nach 1400 gleich zwei Gutsherrschaften, die um 1574 vereinigt wurden. Auf der südlichen Feldmark wurde 1753, unter König Friedrich dem Großen, die Einwandererkolonie Kiekemal angelegt. Zwischen 1799 und 1802 erhielt die schon bisher durch den Ort führende Fernstraße Berlin- Frankfurt/Oder die Trassenführung der heutigen Straße Alt-Mahlsdorf.
In Folge der Reformen von Stein und Hardenberg wurde das Rittergut an den Kaufmann Johann Friedrich Kaapke verpachtet und 1821 auch verkauft. Nach einem mehrfachen Eigentumswechsel geriet das Rittergut 1880 in den Besitz von Hermann Schrobsdorff, der den Gutsgarten in einen Park umgestalten ließ. Von der Expansion Berlins in sein Umland wurde ab 1890 auch die Entwicklung Mahlsdorfs zunehmend beeinflußt. Vor allem in der Bahnhofsgegend und im Süden um Kiekemal begann eine rege Bau- und Siedlungstätigkeit.
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Am Rande Berlins
Bei dem Zusammenschluß des Stadtkerns Berlin mit sieben umliegenden Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zu Groß-Berlin im Jahre 1920 gehörten auch die Dörfer Marzahn, Hellersdorf, Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf dazu. Berlin wurde damit zur Weltstadt und mit nahezu vier Millionen Einwohnern rückte es zur zweitgrößten Stadt Europas auf. Aus Sicht der Verwaltung wurde Berlin in 20 Bezirke aufgeteilt. Die 5 Dörfer im Nordosten Berlins wurde dem Bezirk Berlin-Lichtenberg - einem der 20 Verwaltungsbezirke - zugeteilt. Mit der Eingemeindung nach Berlin gingen Bauen und Siedeln weiter.
Das Gut Hellersdorf wurde Teil der 1922 gegründeten Berliner Stadtgüter GmbH. Schwerpunkt der Produktion war Viehwirtschaft mit Milchkühen, Schafen, Pferden, Schweinen und Geflügel. Mahlsdorf wurde vor allem ab 1924 von den Mitgliedern einer 1920 gegründeten Siedlungsgenossenschaft Lichtenberger Gartenheim bebaut. Zwischen 1924 und 1932 wurden allein hier 402 Einfamilienhäuser errichtet und dies führte zu einer Erhöhung der im 1. Weltkrieg zurückgegangenen Einwohnerzahl von 6 022 im Jahr 1919 auf 16 613 im Jahr 1933. Auch in Kaulsdorf verlangte die steigende Einwohnerzahl nach einer besseren Anbindung an das Verkehrsnetz. Die elektrische Stadtbahn wurde weiter nach Osten verlängert und somit auch die Bahnhöfe Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf angebunden und teilweise umgebaut. Im Jahre 1927 kauft die Stadt Berlin Gut, Schloß und Park Biesdorf. Etwa um diese Zeit verlor Biesdorf auch Stück für Stück seinen Dorfcharakter. Die schon ab etwa 1900 entstandenen Ortsteile Biesdorf-Nord und -Süd wuchsen in den dreißiger Jahren noch einmal stark und füllen sich bis heute auf.
1936 wurde für Sinti und Roma nördlich des Friedhofes am Wiesenburger Weg in Marzahn ein Zwangslager errichtet. Die meisten Festgesetzten wurden nach Auschwitz oder Bergen-Belsen deportiert, nur wenige überlebten. Eines der ersten jüdischen Opfer in Berlin war der Biesdorfer Arzt Dr. Arno Philippsthal. Er wurde am 21. März 1933 festgenommen, am 3. April starb er an den Folgen der Mißhandlungen. Auch die Anstalt für Epileptiker Wuhlgarten blieb von den Nazis nicht verschont. Infolge des Gesetzes über die Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden hier Zwangssterilisierungen vorgenommen und mindestens 689 Patienten in Tötungsanstalten deportiert. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges entstand der Rüstungsbetrieb Hasse & Wrede und auf seinem Gelände auch Zwangsarbeitslager.
Am 20.01.1944 erfolgte der schwerste Luftangriff über Biesdorf, bei dem auch die Gnadenkirche zerstört wurde. Am 21. April erreichten die sowjetischen Truppen die östlichen Bezirke Berlins. Einen Tag darauf drangen sie auch bis Biesdorf vor. Jedoch kurz zuvor setzten Nazis das Biesdorfer Schloss in Brand, wahrscheinlich zur Vernichtung von Dokumenten. Obergeschoss und Innenräume wurden zerstört. 1947 wurde das Schloss provisorisch instandgesetzt. Nach der Wende - 1990 bis 1992 - wurde immerhin der Turm teilweise restauriert. Aber die Finanzierung für die Restauration des gesamten Bauwerks ist bislang noch nicht geklärt. 1979 wurde es zum Kulturzentrum des neuen Stadtbezirkes Marzahn. In jenem Jahr wurden Schloss, Park und historischer Ortskern in die Denkmalliste des Bezirks eingetragen. Hasse & Wrede wurde nach dem Krieg zunächst demontiert und in einen VEB umgewandelt. Durch Fusion entstand 1951 der VEB Berliner Werkzeugmaschinenfabrik Marzahn. Nach dem Krieg, der das Gebiet des heutigen Stadtbezirks im ganzen kaum in Mitleidenschaft gezogen hatte, blieben Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf reine Wohngebiete. Allerdings verfiel der Dorfkern von Kaulsdorf immer mehr.
Bis in das Ausland bekannt wurde Mahlsdorf ab den 60er Jahren durch die private Sammlung von gründerzeitlichen Möbeln und mechanischen Musikinstrumenten aus der Zeit der Jahrhundertwende im Gutshaus von Lothar Berfelde. Ab Anfang der 90er Jahre nannte er sich Charlotte von Mahlsdorf.
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